Schulinsel: Strafe oder Chance?

Mittwoch 16 November 2011

 

Wie reagieren, wenn Schüler den Unterricht stören? Was tun, wenn Schülerinnen Probleme haben mit dem Erledigen von Hausaufgaben? Wenn die Lehrperson sich im Unterricht so sehr mit einzelnen befassen muss, dass die Mehrheit nicht mehr angemessen zum Zug kommt? Die Schule Menzingen geht, nun im dritten Jahr, neue Wege, um solche Situationen zu meistern.

 

– Tony Mehr –

 

Die Schule hat den Auftrag, alle Kinder und Jugendlichen zu integrieren. Der Unterricht in der Regelklasse wird ergänzt mit besonderer Förderung und Therapie (vgl. Artikel in der mz Nr. 74 von Matthias Wyss).

Integrative Schulung verfolgt auch das Ziel, dass alle Schülerinnen und  Schüler zum Zug kommen und dass die Lehrperson nicht absorbiert wird durch das Verhalten einiger weniger, die ständig Aufmerksamkeit und übermässig Energie beanspruchen. In der Schulinsel sollen aufgeheizte Situationen beruhigt, neue Wege entworfen und eingeübt werden. Hier wird das Hausaufgaben machen erlernt und Unterstützung geboten, damit sich Lernerfolge einstellen. Mit der Schulinsel besteht eine Möglichkeit, genauer hinzuschauen, Ursachen von Störungen zu erforschen und Lernen und Arbeiten in der Schule neu aufzugleisen.
Sie soll das System entlasten zu Gunsten aller Schülerinnen und Schüler in einer Klasse und zu Gunsten der Lehrpersonen.

Im Gespräch mit Rektor der Schule Menzingen, Pascal Jahn, und dem Leiter der Schulinsel, Daniel Kempf, haben wir Genaueres über die Schulinsel erfahren. Stimmen von Lehrpersonen, Eltern und Schülern und Schülerinnen, die die Schulinsel besuchen, ergänzen die Informationen.

 

Welche Schülerinnen und Schüler werden in die Schulinsel geschickt?

Pascal Jahn (PJ): Wir wollen einen reellen Unterricht für alle gewährleisten. Im Fokus für die Schulinsel haben wir Jugendliche, die den Unterricht aus irgendwelchen Gründen nicht mitgestalten wollen oder können und diesen für die Mitschüler und -schülerinnen behindern.

Daniel Kempf (DJ) Wir haben im Verlauf des Projekts immer mehr Angebote für die verschiedenen Bedürfnisse entwickelt.

Kurzfristige Schulinsel-Aufenthalte dauern in der Regel eine Schulstunde bis zu einem halben Tag. Diese können ergriffen werden
bei Unterrichtsstörungen, dem was man früher vielleicht mit dem ‹Vor die Tür stellen› begegnete. Längerfristige Massnahmen dauern ca, zwei bis drei Wochen. Sie folgen in der Regel auf mehrere vorangegangene Massnahmen mit dem Ziel, genauer hinzuschauen, wo das Problem eines Verhaltens liegt.

Stark zugenommen haben Hausaufgabenbetreuungen. Für Schülerinnen und Schüler, die überfordert sind mit dem  selbstständigen Arbeiten zu Hause. Ihnen bieten wir hier eine ruhige Athmosphäre und Beratung. Inzwischen haben wir auch freiwillige Anmeldungen zur Hausaufgabenbetreuung.

Wir unterstützen den Förderunterricht im Rahmen der schulischen Heilpädagogik, indem wir zusätzlich unterstützen und helfen, meist fachspezifisch. Wir machen vereinzelt auch Begabungs- und Begabtenförderung, betreuen das Nachholen von Prüfungen oder Schüler mit Sportdispens, Abklärungen von neu Zugezogenen, Vorbereitungen auf Berufsschule. In einem Fall haben wir
einen ehemaligen Schüler auf den Berufsschulunterricht vorzubereiten versucht. Schliesslich steht auch die Betreuung von Klassen in meinem Pflichtenheft beim kurzfristigen Ausfall einer Lehrperson.

 

Wie weisen Lehrpersonen Schüler in die Schulinsel ein?

DK: Die kurzfristigen Massnahmen geschehen ohne grossen Aufwand, eine Lehrperson entscheidet spontan, meldet einen Schüler per Telefon oder per Mail an und es entsteht kein bürokratischer Aufwand. Längerfristige Massnahmen brauchen dagegen einen Massnahmenplan, eine Zielorientierung. Darin ist die Schulhausleitung involviert und natürlich die Eltern.

 

Ein Lehrer könnte so elegant schwierigere Schülerinnen und Schüler abschieben?

DK: Im Gespräch mit der zuweisenden Lehrperson würden wir das merken und thematisieren. Wir sind keine Strafinstanz: bei einem Verstoss gegen die Schulordnung zum Beispiel leitet die Lehrperson die disziplinarische Massnahme ein.

PJ: Wir haben uns mit den Fragen zur Einweisung auseinandergesetzt: Was haben wir für eine Haltung gegenüber Strafen? Wie
vermittelt man die Schulinsel? Wann schickt man jemand in die Schulinsel? Hier wird es zwar nie eine einheitliche Linie geben, aber die Bedeutung der Schulinsel wird im engen Austausch eingependelt.

 

Welche Auswahlkriterien in menschlicher und fachlicher Hinsicht werden auf die in der Schulinsel arbeitenden Lehrpersonen angewandt?

PJ: Für diese Aufgabe brauchen wir in erster Linie eine Person mit Erfahrung und pädagogischem Geschick. Sie muss ein
«pädagogisches Herz» haben mit einem positiven Menschenbild, das heisst: interessiert sein am systemischen Erfassen eines Schülers, einer Problematik auf den Grund gehen wollen. Disziplinarische Störungen haben ihren Grund, jemand muss nicht eine Strafinsel führen wollen. Dann muss eine Lehrperson für die Schulinsel fachliches Know-How mitbringen, um sich in allen  Wissensgebieten eingeben zu können für die inhaltliche Unterstützung.

Schliesslich soll die Person ruhig und gelassen sein, Interesse an der Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen haben und ihre
Schnittstellenleitung unkompliziert vornehmen.

 

Wie läuft eine «Massnahme Schulinsel» ab?

DK:Feste Elemente bilden: Gespräch führen, Situation bzw. Vorkommnis festhalten (‹Verschriftlichen›), Lösungsansätze diskutieren und ausprobieren.

Bei einer kurzfristigen Massnahme kommt der Schüler innerhalb von fünf Minuten nach einem Mail oder Telefon der Lehrperson auf die Schulinsel. Er bringt einen Auftrag mit, damit er sich hier fürs erste beschäftigen kann. Wichtig ist die Kommunikation unter den Lehrpersonen, vor allem in der Oberstufe mit dem Fachlehrersystem, damit alle informiert sind.

Wir klären in der Schulinsel die Situation in einem Gespräch. Wenn ein Schüler noch sehr aufgeregt ist, kann er auch mal an seinem Auftrag arbeiten oder die Situation beschreiben, sich sammeln und beruhigen. Im Gespräch schildert der Schüler seine Sichtweise, welche dann mit der Meldung der Lehrperson abgeglichen wird.

Der Schüler überlegt sich, wie er sich in Zukunft besser verhalten könnte. Klare Abmachungen werden schriftlich festgehalten, der
Schüler entscheidet sich, was er in der nächsten Zeit in den Griff nehmen möchte.

Wichtig in diesem Prozess sind uns: Einsicht und Wiedergutmachung, zum Beispiel ernst gemeinte Entschuldigungen, Arbeiten für die Allgemeinheit u.a.m. Alles Wichtige wird in einem Journal festgehalten. Dieses kommt in ein Dossier, das beim ersten Aufenthalt in der Schulinsel eröffnet wird.

In einem Elternbrief werden Vorfall und was sich jemand für die Zukunft vornimmt mitgeteilt. Dieser wird unterschrieben von
Schüler, Klassenlehrperson und Eltern.

Im Wiederholungsfall veranlasst die Klassenlehrperson ein Gespräch mit den Eltern und allen Beteiligten, an dem auch der
Schulinselleiter teilnimmt.

Bei den längerfristigen Massnahmen verfolgen wir einen systemischen Ansatz, das heisst, alle Beteiligten werden einbezogen und ihre Rollen werden definiert. Mit der Lehrperson werden alle schon vorhandenen Vorabklärungen und schriftlichen Unterlagen bewertet und ein Vorschlag formuliert. Die Einweisung in die Schulinsel trifft die Schulhausleitung. Man bestimmt Dauer und Inhalte der Massnahme und eröffnet sie den Eltern. Im Gespräch werden die Aufgaben aller besprochen. Das ist auch besonders wertvoll für den Schüler: Er sieht, dass nicht nur er sondern alle Beteiligten Verantwortlichkeiten und ‹Aufgaben› im Rahmen des Massnahmen- und Förderplans erhalten.

An einem nächsten Termin überprüft man, was erreicht wurde und was nicht. Eine Reintegration wird ins Auge gefasst, wenn die
geplanten Schritte mehrheitlich erreicht sind. Im Zusammenhang mit ausserschulischen Herausforderungen oder der Hausaufgabenbetreuung pflegen wir auch die Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit und der Schulergänzenden Betreuung.

 

Wie wird nach Rückkehr in die Stammklasse die Erfolge der Massnahme überwacht?

DK: Nach der Rückkehr in die Stammklasse führen wir Standortbestimmungsgespräche durch, wo wir feststellen, was gut läuft, wo es weitere Unterstützung braucht und wer diese leistet.

PJ: Es ist auch wichtig für die Klasse, dass sie sich auf die Rückkehr einstellt: was bedeutet das für uns? Wie empfangen wir die
Person? Daran muss jeder Klasse und jeder Schüler arbeiten.

 

Welche Feedbacks bekommen Sie von betroffenen Schülern nach dem Vollzug?

DK: Wir machen im Moment keine statistischen Erhebungen. Wir erhalten aber im Gespräch mit den Beteiligten Feedbacks zu
unserer Arbeit und zu den Erfolgen. Direkte, spontane Rückmeldungen von den Schülern erhalten wir zum Beispiel nach einer guten Note in einem Fach, in dem sie frustriert waren.

PJ: Anlässlich der externen Evaluation wurde die Schulinsel als anspruchsvoll und streng beurteilt. Von den einen wurde sie als
Strafinsel angesehen, von den andern als Chance. Die Schulinsel wurde gut benotet, gefordert wurde aber, dass wir in der Kommunikation gegen aussen die Schulinsel noch besser als Ort des Lernens darstellen.

 

Wie viele Schüler haben im Verlauf ihrer Schulkarriere mal mit der Schulinsel zu tun?

DK: Etwa zehn Prozent, das heisst wir haben im Verlauf eines Schuljahres mit rund 50 Schülerinnen und Schülern zu tun.

 

Welche Überlegungen stehen hinter dem Konzept der Schulinsel?

PJ: das Phänomen der ‹Schulstörer› hat mich schon als Lehrer beschäftigt. Erste Formen einer Schulinsel haben wir in Deutschland gefunden, schliesslich sind wir auf die Schule Sarnen gestossen, wo das Konzept praktiziert wird. Mit Sarnen stehen wir in einem regelmässigen Austausch.

Wir verfolgen eine Pädagogik der Herausforderung: Schüler sollen wissen, dass sie ein Teil eines Ganzen sind. Wir konfrontieren
sie mit der Botschaft: ‹Du kannst gerne hier bleiben, aber so, wie du dich jetzt benimmst, ist dies nicht möglich. Entscheide du dich, ob du diese Herausforderung annehmen willst oder nicht.› Damit signalisieren wir, dass jeder für sein Tun Verantwortung trägt.

Im Kanton Zug gibt es die Schulinsel in dieser Form sonst nirgends, wir werden aber von andern Schulen besucht, die unser Konzept kennen lernen wollen.

 

Wie gehen andere Schulgemeinden mit Problemschüler/innen um?

PJ: Alle Schulgemeinden pflegen einen intensiven Austausch und unterstützen sich. Manchmal werden Schüler z.B. in einer anderen Gemeinde beschult. In vielen Schulen kennt man das sogenannte ‹Time-Out›, in dem Schüler extern über längere Zeit von Pädagoginnen betreut werden.

 

Welches sind die Unterschiede der Menzinger Schulinsel zum Time out?

PJ: Die klassischen Time-Out Massnahmen unterscheiden sich von der Schulinsel darin, dass die SI viel niederschwelliger ist. Wir
schauen, die Situation vor Ort zu lösen und zu entspannen mit einem systemischen Ansatz und mit den Angeboten, in der Gemeinde Der Jugendliche wird nicht aus seiner Umgebung herausgenommen, alles Akteure sind involviert.
Bereitschaft und Austausch sind viel einfacher zu bewerkstelligen.

In einem externen Time-Out können die Jugendlichen mit weiteren schwierigen Erfahrungen konfrontiert werden, die Rückkehr und Reintegration eher komplizieren.

PJ: Eigentlich wollen wir mit der Schulinsel ein externes Time-Out vermeiden. Wir behalten damit nämlich die pädagogische
Leitung, im Gegensatz zum Time Out das von jemand Externem geleitet wird. Dazu kommt der ‹betriebswirtschaftliche› Aspekt: das Time-Out ist um einiges kostspieliger.

 

Herr Kempf, was motiviert Sie zur Arbeit in der Schulinsel? Was fordert sie Ihnen ab?

DK: Ich habe grosse Freude an der interdisziplinären Zusammenarbeit. Mich reizt die Herausforderung, ein Projekt zu führen und zu optimieren.

Erfolge können nicht immer sprunghaft und sofort erzielt werden, oft gilt es auch in einer schwierigen Situation auszuharren.
Dies braucht Zeit, Geduld und Durchhaltewillen. Die Jugendlichen wollen ernst genommen werden. Es kommt auch vor, dass sie alte Geschichten mit sich herumtragen, traumatisiert und seelisch verletzt sind. Dann braucht es auch viel Einfühlungsvermögen und Geschick um ihr Vertrauen gewinnen zu können.

 

Welche Erfolge - welche Misserfolge beobachten und erleben Sie in der Schulinsel?

DK: Es überwiegen die Fälle, die zufrieden sind, die merken, dass die Arbeit in der Schulinsel etwas bringt. Daneben gibt es auch
die herausfordernden Situationen, die für alle Beteiligten nicht einfach sind, die aber auch im Vorfeld schon zu Schwierigkeiten geführt haben. Die Schulinsel versucht sich hier als neuer (Lebens-)abschnitt zu etablieren, in dem man zusammen neue Lösungsansätze sucht, findet und vereinbart.

 

Ziel ist die Reintegration der Schüler/innen in die Regelklasse. Wie wird diese vorbereitet?

DK: Bei längeren Massnahmen kann ein Schüler auch mal in einzelnen Fächern in der Regelklasse zurückkehren. Die Reintegration wird auch von der Lehrperson der Regelklasse thematisiert und die Klasse bereitet sich auf die Rückkehr des betreffenden Schülers vor.

 

Wie vielen gelingt die Eingliederung in die Herkunftsklasse? Was geschieht mit denen, die das nicht schaffen?

DK: Den meisten. Wir bleiben nahe dran, sind im ständigen Austausch und erfahren, wie es weiterläuft. Vieles ist inzwischen eingespielt, ich kenne inzwischen die Lehrpersonen, mit denen ich zusammenarbeite.

 

Werden andere Schuldienste beigezogen, zum Beispiel die Schulpsychologin?

DK: Wir treffen uns regelmässig mit der Schulsozialarbeiterin.

 

Wie wird die Zusammenarbeit aller Betroffenen gestaltet: Schüler/in, Eltern, Lehrperson der Regelklasse, Lehrperson der
Schulinsel, ev. Schulleitung?

DK: Schulintern hat sich die Kommunikation und Zusammenarbeit mit der Schulinsel schon recht gut entwickelt. Es kommt vor,
dass Eltern selber institutionelle Unterstützung (Schulsozialarbeit, Familiencoaching …) brauchen, weil sich Resignation oder massive Schuldzuweisungen eingenistet haben. Vertrauensvolle Gespräche sind wichtig, die ihren Mut und die Geduld fördern und Entwicklungsschritte in komplexen und herausfordernden Situationen wieder möglich machen.

PJ: Oft sind wir selber am Ringen um eine Lösung, haben auch Verständnis für Bedürfnisse der Eltern, müssen aber zum Schutz der Schule auch gewisse Grenzen ziehen.

 

Wird die Schulinsel ausgewertet und fachlich begleitet? Welches sind die Resultate?

PJ: Wir haben nach einem Jahr eine ausführliche Auswertung gemacht und die Schulinsel in gewissen Bereichen angepasst. Wir
möchten aber bewusst während vier Jahren Erfahrungen sammeln und dann eine umfassende Evaluation vornehmen.

 

Ist Unterrichten schwieriger geworden? Wie muss die Schule damit umgehen, dass Eltern heute mehr Mitsprache fordern? Wie damit, dass man der Schule immer neue Aufgaben aufbürdet?

PJ: Die Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass wir in der Schule für eine möglichst gute Lösung besorgt sind wenn
Probleme auftauchen. Stimmen und Impulse aus der Bevölkerung nehmen wir auf, zum Beispiel über die ELG.

Ich setze in der Zusammenarbeit allerdings immer so etwas ein gegenseitiges positives Vorurteil voraus, das heisst, dass die Eltern
der Schule grundsätzlich ein professionelles Handeln zuschreiben.

DK: Unterrichten, ist anspruchsvoller geworden. Die Gesellschaft hat sich verändert. Unsere Ansprüche sind gewachsen. Die Schule muss sich mit der Gesellschaft verändern. Wenn die Schule neue Aufgaben übernehmen soll, dann muss sie das Instrumentarium dafür erhalten und die nötigen Ressourcen. Wir meinen, die Schulinsel kommt den veränderten
Bedürfnissen von Schülern, Eltern und der Schule generell entgegen.

 

2. Probleme von Jugendlichen müssten dort gelöst werden, wo sie entstehen. Dies vertritt der bekannte Jugendpsychologe Alan
Guggenbühl. In dieser stürmischen Phase bräuchten Jungendliche Bezugspersonen, die Konflikte mit ihnen durchstehen ohne sie fallen zu lassen. Ist die Schulinsel das richtige Instrument?

PJ: Ich bin selber an pädagogischen Hochschulen tätig, also involviert und vertraut mit der Forschung und kritischen Fragestellungen wie jenen von Herrn Guggenbühl. Dabei stelle ich immer wieder fest: Theorie und Ursachenforschung ist das eine, der Umgang mit Problemen. In der täglichen Arbeit brauchen wir einen pragmatischen, umsetzbaren Ansatz.

DK: Wir meinen, dass wir mit der Schulinsel genau das vor Ort anbieten. Wir unterstützen die Jugendlichen in dem Sinn, dass sie so viel wie möglich am regulären Unterricht teilnehmen können. Guggenbühl kritisiert ja besonders das externe Time-Out. Ich finde es im Übrigen toll, dass die Gemeinde offen ist für das Projekt Schulinsel. Das ist nicht selbstverständlich.

 

 

Rückmeldungen auf die Schulinsel von Schülerinnen und Schülern

Ich finde die Schulinsel ein gutes Projekt, weil man da die Hausaufgaben machen kann. Man kann auch gut lernen. Ich finde auch gut, dass man sich gut konzentrieren kann. Also ich würde sie weiterempfehlen. Zum Teil gibt es auch Stress, wenn man die Lektion vor er Schule hat, dass man zu spät in die Schule kommt. Aber mein Gesamteindruck ist eigentlich ziemlich gut.

Ich finde die Schulinsel sehr hilfreich, denn da kann ich all meine Hausaufgaben machen. Die Insel ist auch gut denn ich kann töckln (Töggelikasten spielen) und ich bekomme Nachhilfe in Mathe.

Ich finde die Schulinsel eine gute Lösung. Denn man ist betreut wen man in der Schule einfach nicht hat. Man ist betreut, kann fragen, wenn man nicht draus kommt. Der Nachteil ist, man muss immer von der Ochsenmatt in das Marianum kommen. Manchmal gehe ich nicht gerne, weil man immer Zeit verliert.

Mir gefällt es sehr, dass die Lehrer aufgestellt sind Und man die Hausaufgaben machen kann. Aber manchmal kann Herr Kempf auch laut sein, weil die Schüler nicht das machen, was sie sollten.

Ich finde die Schulinsel gut, da man auch viel lernen kann, es ist auch gut, wenn man bei den Hausaufgaben Probleme hat, dass dann hier gut geholfen und erklärt wird. Beim Unterricht finde ich es in bisschen schade, dass man nicht schwatzen darf aber nur wenig (smile). Es ist halt manchmal ein bisschen langweilig, aber sonst finde ich dass man hier sehr viel profitiert, weil es weniger Schüler hat und ich dann weniger abgelenkt bin.

Ich finde die Schulinsel gut und Herrn Kempf und Herrn Iten sind nett und hilfsbereit. Ich finde, dass es einem auch runterholt, wenn man Seich in der Schule gemacht hat. Es ist einfach ein super Ort, um in Ruhe zu lernen.

Rückmeldungen auf die Schulinsel von Eltern

So schön es ist Kinder zu haben, so schwierig kann manchmal der Umgang mit ihnen sein. Ein Kind erziehen ist oft härter, als es das Wort «begleiten» erahnen lässt. Eine Erfahrung, die wohl die meisten Eltern irgendwann machen. Auch ich als Mutter.

Durch schlechte Noten, Elterngespräche und Meldezettel der Schule verbesserte sich der familiäre Alltag zu Hause aber auch nicht. Im Gegenteil,
denn freuen konnte man sich darüber ja nicht. Dann Schulinsel – musste es wirklich so weit kommen?

Als Mutter stellte ich fest, dass sich die Spirale nicht mehr weiter drehte, und sich die Situation allgemein beruhigte. Mein Sohn fühlte sich entgegen meiner Befürchtung nicht ausgegrenzt oder an den Rand gedrängt. Ich schätzte es, dass Herr Kempf, zusammen mit andern Inselbetreuern, einfühlsam, aber trotzdem unnachgiebig Arbeiten und Leistungen einforderte und auch an
Elterngesprächen teilnahm, um seine Sicht der Schwierigkeiten oder auch der Fortschritte allen Beteiligten mitzuteilen. Erfolgserlebnisse blieben nicht aus, genauso gab es aber auch Rückfälle. Ich fühlte mich stark entlastet und
bin froh, mein Kind, nötigenfalls auf der Schulinsel gut aufgehoben zu wissen.

Ich bin der Meinung, dass gemeinsame Ziele sowie der Wille zur Zusammenarbeit im Sinne von gegenseitiger Unterstützung und Achtung von Klassenlehrpersonen, Eltern und Schulinselleitung Voraussetzung sind, um dem Kind die nötige Hilfe und Sicherheit zu geben, und ausser Kontrolle geratene Situationen zu beruhigen.

Die Schulinsel bietet in vielerlei Hinsicht eine Entlastung, aber auch eine Ergänzung zum allgemeinen Schulbetrieb. Unsere Tochter kann auf der Schulinsel in Begleitung den Schulstoff (in Mathematik) vertiefen und ergänzen und somit auch im Schulunterricht mithalten.

Es braucht dazu aber auch immer den eigenen Willen und Einsatz der Schüler. Es ist toll, dass ihr diese Möglichkeit und Unterstützung angeboten wird und sie diese so nutzen kann.

Die Atmospäre im Schulzimmer der Schulinsel ist ruhig. Kinder aller Altersstufen sind selbstständig unter Aufsicht am Arbeiten.

Ich war damals sehr dankbar über das Angebot der Schulinsel. Meine Kinder wurden fleissig unterstützt durch Herrn Kempf, um die richtige Klasse zu finden, nachdem wir aus dem Ausland in die Schweiz gezogen waren. Somit war der schulische Übertritt kein Problem mehr.

Mein Kind ging während einem Semester in die Schulinsel um dort noch aufzuschaffen und auch für Prüfungen zu lernen. Da dies mittwochs nach der Pause war, konnte es den Nachmittag mehr oder weniger geniesen.

Viele Leute wissen nicht, dass in der Schulinsel die Schüler auch ihre Zwischenstunden gut nutzen können, sei es mit ‹Ufzgi› machen, Lernen etc.

Ich staune, wie Herr Kempf sich mit den Störefrieden und den arbeitenden Schülern gut zurechtfindet, sind doch dort alle gemischt.

Rückmeldungen auf die Schulinsel von Lehrpersonen

Bei aufgetretenen Problemen stand mir die Schulinsel immer mit Rat und Tat zur Seite. Die Leitung ist immer erreichbar und sehr zuverlässig.

Die Schülerinnen und Schüler werden in der SI nochmals mit ihrem Verhalten konfrontiert, was ihnen die Möglichkeit gibt, zu verstehen, was sie anders machen müssen. Dies trägt zu einer sehr positiven weiteren Zusammenarbeit zwischen Lehrperson und Schüler/in bei.

Die Schulinsel erlebt ich als grosse Entlastung, auch bei Elterngesprächen Gute, nachhaltige Verbesserung der Arbeitshaltung nach längerem Aufenthalt in der Schulinsel.

Schüler/innen erzielten in der Schulinsel Lernerfolge von Schüler/innen, die in der Schulinsel betreut wurden beflügelten die Jugendlichen und trugen zu einer Beruhigung in der Klasse bei: Motivation durch Lernerfolg → Stärkung des Selbstvertrauens → mehr Lernfreude auch für anspruchsvollere Lerninhalte.

Nebst der sehr spürbaren Entlastung im Unterricht für mich hat der Schüler persönliche Fortschritte gemacht. Vor allem im Bereich Sozialverhalten.

Erlebe das Schulinsel-Team als sehr engagiert. Hat immer ein offenes Ohr für Anliegen. Es wird um die bestmögliche Lösung gerungen.

Die Schulinsel ist zum Teil anstrengend, weil das Unterrichtsmaterial immer doppelt zur Verfügung gestellt werden muss.

Zum Teil werden die Abläufe meiner Meinung nach zu konsequent umgesetzt. Man könnte meiner Meinung nach mehr auf die Situation angepasst reagieren.

Der Aufwand für die Lehrperson bezüglich Kommunikation mit der Schulinsel ist relativ gross. Dies kann aber wohl nicht vermieden werden.

Bei Schülern, die längere Zeit in der Schulinsel waren, zeigt zu Beginn der Rückkehr eine Verbesserung. Aber die Gefahr von Rückfällen bleibt. Das neu gelernte Verhalten im alten Setting umzusetzen ist eine grosse Klippe.

Ich weiss, ich habe einen Notfallplan, falls alle Stricke reissen. Das ist mir sehr viel wert.

Von 26 befragten Lehrpersonen sprachen sich 23 für die feste Einrichtung der Schulinsel aus, drei enthielten sich der Stimme.


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